Chery Automobile Co. Ltd. (Wuhu, China)

Erschienen in: move up 2008/01

Fixer Feeder

Simotion und Profinet IRT sorgen für Durchsatzerhöhung im Press Shop.

Der Automobilhersteller Chery Automobile Co. Ltd. aus Wuhu, China, geht seinen ganz eigenen Weg. Während die meisten einheimischen Mitbewerber aus der boomenden chinesischen Automobilbranche in der Regel Joint Ventures mit westlichen Herstellern geschlossen haben, ist Chery seit seiner Gründung 1997 ein eigenständiger Hersteller geblieben.

 
Der in China überaus erfolgreiche Produzent hat sich auf Rang vier in den Verkaufszahlen für PKW in China hinaufgearbeitet und bietet eine umfangreiche Palette vom Kleinwagen über Limousinen, Sportcoupés bis hin zum Mini-Van an. In vielen automobilen Schwellenländern in Südamerika und Asien haben Chery-PKW bereits eine große Verbreitung gefunden und – noch ungewöhnlich für einen chinesischen OEM – es wurden sogar schon CKD-Werke in aller Welt gegründet. Das nächste Ziel hat die selbstbewusste Leitung im Hauptquartier in Wuhu schon fest im Blick: den Eintritt in den US-amerikanischen und europäischen Markt.
 
Moderne Fertigung in Wuhu
 
Erobert werden sollen die neuen Märkte von der Produktionsstätte in Wuhu aus. Dort wird mit modernsten technischen Standards gefertigt. Unter anderem sollen dort zukünftig auch ein neuer Kleinwagen und eine Kompaktlimousine aus dem C-Segment vom Band laufen.
Hierfür sollte eine von einem chinesischen Hersteller stammende Transferpressenstraße nachgerüstet werden. Um den Durchsatz auf dieser Pressenstraße zu steigern, entschieden sich die Verantwortlichen für den Einsatz einer innovativen Lösung bei der Automatisierung der Feeder zwischen den einzelnen Pressenstufen: Profinet mit integrierter Sicherheit.
 
Sicheres Profinet an der Presse
 
Damit kommt zum ersten Mal überhaupt in China in der Automobilfertigung in einer Anlage durchgängig der Automatisierungsstandard Profinet mit integrierter Personensicherheit zum Einsatz. Der mit der Nachrüstung beauftragte Anlagenbauer Strothmann lieferte für die Feeder eine Automatisierungslösung mit einer sicheren Simatic S7-317F PN/DP für die sicherheitsorientierten Funktionen (Schutztür und Stillsetzen etc.). Diese Steuerung kommuniziert mit einer Steuerung Simotion P350 über die einzige verbliebene Profibus-Anbindung innerhalb der Anlage. Auf dem Simotion Panel-PC läuft die Simotion Run-Time-Software zur Ansteuerung aller Peripheriegeräte ET 200S und ET 200F sowie der Antriebe Sinamics S120 mit Control Unit CU320. Die Antriebe geben die Fahrbefehle an Servomotoren Simodrive 1FT7 weiter.
Auf dem Simotion Panel-PC läuft auch WinCC flexible als SCADA-System für die komplette Feederanlage. Zum Bedienen und Einrichten der Anlage vor Ort stehen Mobile Panels MP 177PN zur Verfügung.
 
Synchronisation in Echtzeit
 
Zur Quasi-Echtzeit-Kommunikation in der Anlage und zur Synchronisation der Feeder an den einzelnen Stufen im Bereich von einer Millisekunde wird das Profinet-Profil IRT (isochrone Echtzeit) eingesetzt. Die Kommunikationsprozessoren CBE20 mit integriertem ERTEC-Switch (Enhanced Real Time Ethernet Controller) verleihen auch den Sinamics-Umrichtern eine schnelle „Auffassungsgabe“.
Bei einer hohen Busgeschwindigkeit von 100 Megabit pro Sekunde erfüllt die Anlage die hohen europäischen Sicherheitsanforderungen SIL 3 (Safety Integrity Level 3).
 
Ein Bus für alles
 
Mit der neuen Busarchitektur auf Profinet-Basis ist weder für die sicherheitsgerichteten und die Standardlogikfunktionen noch für die Synchronisation der Antriebe eine separate Busstruktur notwendig. Dank der einheitlichen Busstruktur von der Anlagensteuerung bis hinein in die Antriebe und die Peripheriesysteme erzielt Chery erhebliche Einsparungen. Denn die gesamte Anlage läuft auf einer gemeinsamen Plattform, was sich in reduzierten Kosten für Engineering, Inbetriebnahme, Wartung und die laufende Produktion auswirkt.
Wichtig für den dynamisch wachsenden Hersteller ist auch, dass mit Profinet als Basis ein hochmodernes offenes und jederzeit erweiterbares System zur Verfügung steht.
Das System hat sich als stabil und leistungsfähig erwiesen und trägt nach Angaben der Betreiber aktuell zu einer Durchsatzsteigerung von 15 Prozent gegenüber der manuellen Beladung bei.
 
Motoren made in China mit Solutions for Powertrain
 
Um die Qualitätsanforderungen der westlichen Automobilmärkte zu erfüllen, geht Chery auf Nummer sicher. Italienische Design-Institute und modernste Fertigungstechnologie machen den Newcomer aus Wuhu fit für den Export in den Westen.
Drei neue Motoren-Baureihen wurden zusammen mit AVA in Österreich entwickelt, darunter Benziner von 88 bis 198 PS und Diesel-Aggregate von 126 bis 196 PS. Mindestens sechs der neuen Triebwerke sollen dabei EURO IV erreichen.
Bei der neuesten seiner Motorenlinien, auf der Motorblock, Zylinderkopf und Kurbelwelle hergestellt werden und auch die Montage erfolgt, vertraut Chery auf Solutions for Powertrain – TRANSLINE von Siemens.
 
 

PROFINET bei Siemens

07.05.2008