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Christ Water Technology Group; Aesch (Schweiz)
Plattform gesucht und gefunden
Ein Automatisierungssystem für unterschiedliche Aufgaben nutzen zu können, ist in der Regel mit Einsparpotenzial verbunden: Know-how braucht nur einmal aufgebaut zu werden, Software lässt sich wieder verwenden, die Ersatzteilhaltung bleibt übersichtlich. Goema, Tochter der Christ Water Technology Group, hat für das Bedienen und Beobachten unterschiedlicher Wasseraufbereitungsprozesse Simatic PC 477 embedded mit Windows XP embedded und WinCC flexible gewählt. Gute Argumente sprechen für diese Wahl.

Goema ist einer der führenden Anbieter von kundenspezifischen Lösungen im Anlagenbau und im Dienstleistungsbereich auf dem Gebiet der Rein- und Reinstwasseraufbereitung sowie der Trink- und Abwasseraufbereitung. Hauptsitz der Christ Water Technology Group ist in Aesch, im Schweizer Kanton Baselland. Das Leistungsspektrum der Christ-Gruppe gliedert sich in die Geschäftsbereiche Halbleiter-Industrie, Pharma & Life Science, Kraftwerke, Industrielles Prozess- und Abwasser, Getränke und Nahrungsmittel sowie Kommunales Trink- und Abwasser.

Als Maßnahme zur konzernweiten Produktivitätssteigerung ist man bei Christ dabei, die Elektrokonstruktion so weit wie möglich zu zentralisieren und vor allem technisch auf eine gemeinsame Plattform zu stellen. Diese gemeinsame Plattform muss sich für die Lösung der unterschiedlichsten Aufgaben eignen und kleine Kompaktanlagen ebenso zuverlässig automatisieren wie Großanlagen.

Konzernweite Systemplattform

Steuerungsseitig setzt man seit langem auf Simatic. Je nach Anforderung reichen die eingesetzten Controller von der CPU 315 bis zur CPU 414 H für Großanlagen.

Ziel der weitergehenden Standardisierung ist es, darüber hinaus eine einheitliche Bedienoberfläche und eine für alle Anwendungen geeignete Hardwareplattform dafür festzulegen. Die Wahl fiel auf Simatic Panel PC 477 embedded mit Windows XP embedded und WinCC flexible.

"Es gibt eine Reihe von Argumenten, die für diese Kombination sprechen", so Thorsten Süß, Technischer Leiter der Elektrotechnik von Goema. "Mit Simatic finden wir weltweit Akzeptanz. WinCC flexible haben wir als ausgereiftes Visualisierungssystem kennen gelernt. Entscheidend für unsere Anwendungen ist, dass Windows XP embedded die Ergänzung um eigene Software-Module ermöglicht. Wir nutzen das Open Development Kit zur Einbindung von Bausteinen, die unser Know-how beinhalten und den Bedienkomfort unserer Anlagen erhöhen. Dafür bringen wir branchenspezifische Zusatzfunktionen ein, über die ein branchenunabhängiges Standardprodukt wie WinCC flexible nicht verfügen kann. Für Windows XP embedded spricht weiterhin, dass das Betriebssystem eine breite Palette an Standard-Peripherie wie Drucker, Schreiber, etc. unterstützt. Vom Preis-Leistungs-Verhältnis ist der PC 477 embedded für uns optimal geeignet. Der Anteil der Elektronik macht bei unseren Anlagen bis zu 20 % aus - da nutzen wir gern jedes Einsparpotenzial."

Qualität für die Pharmaindustrie

Ein Arbeitsgebiet, auf dem die Christ-Gruppe sehr erfolgreich ist, ist die Reinstwasseraufbereitung, die insbesondere in der Pharmaindustrie Anwendung finden. Unternehmen auf der ganzen Welt setzen auf das Know-how von Christ. In der Pharmaindustrie steht das Qualitätsmanagement im Vordergrund. Es geht darum, höchste Transparenz aller Vorgänge sicherzustellen und Prozessdaten und Bedienschritte in fälschungssicheren Betriebsprotokollen und Archiven festzuhalten. Dabei sind strenge gesetzliche Vorschriften und Auflagen einzuhalten.

Genutzt werden hier die WinCC flexible-Optionen WinCC flexible/Archives und WinCC flexible/Audit. Archives dient zur Erfassung und Verarbeitung von Prozessdaten einer Anlage oder Maschine. Dabei kann der Prozessverlauf dokumentiert, die Auslastung oder Qualität von Produktionen kontrolliert oder ein Nachweis über wiederkehrende Fehlerzustände erbracht werden. Im Prozessbetrieb zeichnet Audit alle GMP-relevanten Änderungen von Variablen und beliebige Bedienhandlungen als Audit Trails auf. Die Option WinCC flexible/Audit deckt die wesentlichen Anforderungen von GMP (Good Manufacturing Practice) und FDA (Food and Drug Administration) für validierungspflichtige Anwendungen nach 21 CFR Part 11 ab.

Thorsten Süß erläutert dazu: "Wir nutzen diese Optionen als Basis. Aus den generierten Listen lassen sich durch Hinzufügen von Kommentaren leicht Betriebsprotokolle erstellen, die die für Verfahrenstechniker und Qualifizierer relevanten Informationen enthalten und vor allem leicht zu lesen sind. Komfort sowohl bei der Bedienung als auch beim Auswerten von Protokollen ist ein wesentliches Qualitätsmerkmal unserer Anlagen. Von diesem Komfort profitieren nicht nur unsere Kunden, sondern auch wir selbst bei der Inbetriebnahme unserer Anlagen vor Ort. In aller Regel genügt es, dafür einen Verfahrenstechniker zum Kunden zu schicken. Ein zusätzlicher Programmierer kommt in der Regel nur bei Großanlagen mit. Verfahrenstechniker kennen sich mit den Anlagenfunktionen perfekt aus, sprechen die Sprache der Anwender und sind deshalb beim Kunden besonders geschätzt. Die WinCC flexible-Oberflächen unserer Anlagen sind so gestaltet, dass es möglich ist, auf alle relevanten Parameter in der Software zuzugreifen und Software-Änderungen im Visualisierungssystem vorzunehmen - ohne Programmierkenntnisse, aber mit der Erfahrung eines Verfahrenstechnikers. Das gelingt uns, indem wir alle unsere Anlagen modular aus Software-Standards aufbauen. Jeder technologischen Einheit ist ein Softwaremodul zugeordnet, das sich auf der Oberfläche immer gleich repräsentiert - egal in welcher Anlage es vorkommt."

Diese Bibliotheken bauen auf WinCC flexible auf, einzelne Bausteine werden als ActiveX-Elemente, basierend auf .net, aus diesem Standardprogramm aufgerufen. Das Windows XP embedded beim Panel PC 477 embedded mit seiner Offenheit macht das möglich.

Robustheit und erhöhter Bedienkomfort

Bei der Abwasserreinigung, einem anderen Kompetenzfeld von Goema, steht eine weitere Eigenschaft des gewählten Systems im Vordergrund: Als Betriebssystem läuft Windows XP embedded auf dem Panel PC 477. Dieser hat keine beweglichen Teile wie Festplatten oder Lüfter und genügt damit einer weiteren wichtigen Kundenanforderung: Er hat eine ganz besonders hohe Verfügbarkeit. "Unsere Kunden aus dem Abwasser-Bereich schätzen diese Eigenschaft, weil hier zum Teil aggressive Umgebungsbedingungen vorkommen, die ein Problem für die Mechanik darstellen können", so Thorsten Süß.

Wichtiger als das Qualitätsmanagement ist im Abwasserbereich der Bedienkomfort. Hier ist der Automatisierungsgrad in der Regel nicht so hoch. Abhängig von wiederholten Laborproben verändert der Bediener ständig das Programm für die weitere Reinigung des Abwassers. Die Herausforderung besteht hier darin, ihm dabei möglichst viele Freiheitsgrade zu geben, ohne dass die Oberfläche dadurch an Anschaulichkeit verliert. "Auch hier haben wir beste Erfahrungen mit WinCC flexible gemacht", bestätigt Thorsten Süß und zeigt sich überzeugt, mit der gewählten Plattform eine zukunftssichere Entscheidung getroffen zu haben.

Advance 4 / 2006
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